Montag, 16. November 2009

Belle de Jour enthüllt ihre Identität


Belle de Jour, deren Blog ich sehr schätze, hat ihre Identität preisgegeben: Sie ist Dr. Brooke Magnanti, eine Medizinische Forscherin. Es hatte zahlreiche Vermutungen und Enthüllungsversuche der Presse darüber gegeben, wer sie ist. Was ich merkwürdig finde ist, wie viele dachten sie sei ein Mann, da ihr Leben nur einer "männlichen fantasie" entspringen könnte. Das scheint ja bei Sexarbeiterinnen oft der Fall zu sein, auch mir hat man bei einer Online-Diskussion mal nicht geglaubt eine Frau zu sein.. Immerhin ist Belle's Identität als Frau nun offiziell bestätigt.
Hier noch ein ausführlicherer Artikel dazu

Mittwoch, 11. November 2009

"Private Damen"

Ich habe angefangen selbst auf Kontaktseiten zu inseriren. Dabei ist mir klargeworden, dass die Kommissionen für die Agentur keineswegs überrissen sind.. Es gibt tatsächlich eine Menge Arbeit alle E-mails zu beantworten, telefonieren, abchecken... Ein weiterer Vorteil von Agenturen ist, dass das Honorar geschützt wird. So viel kostet eine Stunde, und damit basta! Bei selbständig Inserierenden wird auf biegen und brechen versucht, zu verhandeln, weil es ja keine "professionellen" sind.
Am ersten Tag nach dem Inserat hatte ich etwa 30 (!) Anfragen. Als ich jedoch das Honorar nannte schrieb ein Grossteil nicht mehr zurück, was auch ganz gut ist, ich möchte ja nicht jeden Tag mehrere Kunden treffen. So kommt Angebot und Nachfrage zu einem harmonischen Gleichgewicht:-)

Dienstag, 3. November 2009

Cyanide and Happiness

Mittwoch, 28. Oktober 2009

...wenn es dir so gefällt, weshalb lässt du dich dann bezahlen?

Ich bin nun schon einige male auf das "Argument" gestossen, wenn Sexarbeiterinnen tatsächlich Spass an ihrer Arbeit hätten, müssten sie ja nicht dafür bezahlt werden- also lügen diejenigen, die behaupten es gefalle ihnen. Wie bitte?? Solche Aussagen können doch nur von Menschen stammen welche meinen, Arbeit müsse zwangsläufig etwas unangenehmes sein, etwas das es zu vermeiden gilt ausser man bekommt etwas materielles dafür. Jedoch gibt es offensichtlich massenhaft Leute, die ihr Hobby zu ihrem Beruf gemacht haben, weil sie sich am liebsten damit beschäftigen. Ich kenne genug Musiker, welche auch ohne Bezahlung überaus glücklich wären ihrer Kunst nachzugehen, doch von irgendetwas muss man ja leben können.

Trotzdem würde ich auf Sex mit fremden Männern verzichten, wenn ich nicht dafür bezahlt würde. Und zwar NICHT, weil es mir nicht gefällt, sondern weil es einfach zu aufwändig ist. Weshalb sollte ich mich um eine Kontaktaufnahme zu durchschnittstypen bemühen, wenn ich stattdessen auf der Stelle (oder innert absehbarer Zeit:-) Sex mit meinem Liebsten haben könnte, und bei Bedarf nach Abwechslung genügend interessante Bekannte willig wären?

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Ein gelungenes "Outing"

Gestern war ich mit einem Freund von der Uni an einer Party. Ein Bier nach dem anderen, wie das so ist..er hat eine Zeit lang Gender/Women Studies studiert, und ausgehend von dem kamen wir irgendwann auf Prostitution zu sprechen. Er erzählte mir, dass bei den Vorlesungen zum Thema Sexualität alle möglichen Leute eingeladen waren, welche in "unkonventionellerer" Weise damit zu tun haben: Sexualtherapeuten, Transsexuelle, Homosexuelle, Leute aus verschiedenen Fetisch-Subkulturen..nur hätte er keine Sexarbeiter kennengelernt. Was das denn solle, wo das doch offensichtlich ein relevantes Phänomen sei!
Ich fragte ihn, was er denn von Prostitution halte. Wenn da keine Menschen dazu gezwüngen würden, fände er es kein Problem, im Gegenteil. Da platzte ich einfach heraus: Ich erzähl dir mal was, ich arbeite als Callgirl. Keine erstaunte Pause oder irgendeine besondere Reaktion- er nahm es auf wie jede andere neue Information über mich. "Ah, interessant! Endlich lerne ich jemand kennen, der das macht, und dann ist es auch noch eine gute Freundin. Magst du mir ein bisschen darüber erzählen, wie das alles so läuft?"

Dienstag, 20. Oktober 2009

Feministischer Pornofilmpreis

Letzten Samstag wurde zu ersten mal der feministische pornofilmpreis vergeben. Wer das "Poryes" Banner am Boden meiner Seite gesehen hat, kann sich denken dass ich diesen Unterstütze. Aaber.. Ein Auszug der Kriterien, welche einen Film möglicherweise dafür qualifizieren:

* Die sexpositive Darstellung weiblicher Lust,

* das Aufzeigen vielfältiger sexueller Ausdrucksweisen

* das maßgebliche Mitwirken von Frauen bei der Filmproduktion.

Jetzt mal ehrlich: Haben wir nicht schon genug Darstellungen weiblicher Lust? In Mainstream-Pornos steht praktisch IMMER die Frau im Mittelpunkt, sie stöhnt, zuckt und zeigt ihre Lust- sowohl bei dem, was vermutlich als sexpositiv (=nicht Gewalttätig?) empfunden würde wie auch bei härteren szenen. Die Lust des Mannes wird meist nur beim Koitus gezeigt der zwar das "Ziel" ist, sonst wird ihm visuell wenig Beachtung Geschenkt. Ich frage mich, weshalb bei Pornos für HETEROSEXUELLE Frauen auf dem Cover meist Weibliche Wesen abgebildet sind, genauso wie im erotischen Frauenmagazin "Alley Cat". Um es mal übertrieben zu formulieren, haben Frauen die eigene Objektivierung als ein Symbol für Ästhetik und Lust soweit verinnerlicht dass sie auf die Reize des männlichen Geschlechts einfach nicht anspringen?

Montag, 19. Oktober 2009

Links am Montag

Link zu meinem Interview bei der Mädchenmannschaft

und zu meinem Interview bei "My first professional Sex"

Freitag, 16. Oktober 2009

Ein schöner Abend.

So, jetzt schreibe ich über ein konkretes Erlebnis mit einem Kunden, wird langsam mal Zeit:-)
Gestern Abend hatte mich einer für drei Stunden gebucht. Jung, gutaussehend und sympathisch. Er hatte im voraus ziemlich detaillierte Kleiderwünsche, ich war sehr gespannt was mich erwartete. Nachdem ich es mir in seinem sehr schön gehaltenen Zuhause gemütlich gemacht hatte und wir schon etwas geredet hatten, fingen wir eine Art erotischen Tanz an. Gaanz langsam ausziehen, im Takt zur Hardrock-Musik umarmend hin und her wiegend. Im gläsernen Schrank sah ich mein Spiegelbild, während er meinen Nacken von hinten liebkoste und mit den Händen meine Brüste streichelte. Wir gingen ins Schlafzimmer, wo ich ihm den Rücken massierte. Er erzählte von seinem Job, bei dem er viel herumreisen muss und nur selten zuhause ist, was eine Beziehung sehr schwierig macht, und eigentlich hätte er schon gerne eine feste Freundin. Deshalb sei er sich schon am überlegen seinen Beruf zu wechseln, obwohl er ihm sonst sehr gut gefällt.
Den Rest des Abends verbrachten wir Wasserpfeife rauchend auf dem weichen Sofa, während wir über Gott und die Welt redeten (ok, eigentlich nur über die Welt, aber ihr wisst was ich meine) Ich hätte zwar gerne noch Sex mit ihm gehabt da er mir gefiel und ich von der spielerischen Annäherung ziemlich erregt war, aber man kann nicht immer alles haben;-)
Er bestätigte mir, was ich schon mit anderen Kunden erlebt habe: Sex ist im Sexbusiness erstaunlicherweise oft nicht das wichtigste.

Montag, 12. Oktober 2009

Gestörte Gesellschaft


Heute habe ich einen Podcast von "The Economist" gehört, wo es um das Versagen des "Sex Offender"- Systems in den USA geht. Das Interview war mit einer Aktivistin, welche sich dagegen einsetzt.

Sexualstraftäter sind in einem öffentlichen Register einsehbar. Hmm, okay..meine erste Reaktion darauf ist zugegebenermassen eher positiv. Ist doch gut, dass man das endlich mal ernst nimmt und was dagegen unternimmt, nicht wahr? Das Gesetz wurde Erlassen, weil keiner der Politiker als zu weich gegenüber solchen Straftätern erscheinen wollte, obwohl man natürlich schon einige Probleme kommen sah..
Bei diesem Register wird aber nicht zwischen gemeingefährlichen Gewaltverbrechern und Sittendelinquenten unterschieden. Eine Mutter, welche nichts gegen die sexuelle Aktivität ihrer 15-Jährigen Tochter mit ihrem 17-Jährigen Freund unternahm wurde wegen "Förderung eines Sexualdeliktes" eingetragen. Als Folge davon verlor sie ihren Job, ihr soziales Umfeld, und steht an einer Stelle mit Vergewaltigern. Ebenso ein minderjähriges Mädchen, welches aufreizende Fotos von sich machte: Sie wurde wegen "Erstellung von Kinderpornographie" verurteilt. Krank.

Montag, 5. Oktober 2009

Harman ruft Schwarzenegger auf, Freierforen verbieten


Link
Die englische Politikerin Harriet Harman möchte Foren, welche Bewertungen der Dienste von Prostituierten zulassen, verbieten. Da die Seite "Punternet" ihren Sitz in Kalifornien hat, ruft sie Schwarzenegger dazu auf, diese sperren zu lassen. Ja, der Schwarzenegger, der selbst Pornos gedreht hat und für "Frauenskandale" bekannt ist.

Ich selbst sehe solche Foren sowohl positiv als auch negativ. Für die meisten Sexarbeiter/innen ist es eine sehr wichtige Quelle, um Kunden zu finden (und zwar annoncieren sie dort meist selber..). Und ein Kunde, der viel Geld für ein Date ausgibt will schliesslich wissen, worauf er sich da einlässt. Auf der anderen Seite gibt es Personen, welche diese Foren missbrauchen, um unverdient schlechte Bewertungen abzugeben. Aber das rechtfertigt in keinster Weise einen so schwerwiegenden staatlichen Eingriff in die Meinungsfreiheit.
Weitere charmante Aussagen folgen: “prostitution is not work. It’s exploitation of women by men.” Mmhm, sehr respektvoll den Sexworkern gegenüber. Und es gibt ja auch keine männlichen Sexworker.

Da kann ich nur Amanda aus "Harlot's Parlour" zitieren:

In the early 20th century, when women asked to be heard, they were patted on the head and told that they didn’t really know what they wanted. How could they? They were only women after all.
In the early 21st century, when independent, self employed women ask to be heard, you pat us on the head and tell us that we don’t really know what we want. How can we? We are only prostitutes after all.