Samstag, 3. März 2012

International Sex Workers Rights Day


Heute ist der Internationale Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen. Er wurde 2001in Indien als eine Art Festival-Kundgebung ins Leben gerufen. Maggie McNeill hat einen Beitrag. dazu geschrieben.

Montag, 13. Februar 2012

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Yes means Yes

Auf der Mädchenmannschaft läuft gerade eine Diskussion über das Yes means Yes- Konzept

“Ich habe das durchaus auch schon des Öfteren erlebt, dass mal zwischendurch gefragt wurde, ob das denn jetzt alles ok so ist und auch wenns mich überrascht hat (weil ich dachte, mich eigentlich recht eindeutig diesbezüglich verhalten zu haben)”

Das habe ich auch schonmal erlebt. Einerseits fand ich es positiv und rücksichtsvoll, andererseits hat es mich bezüglich meines eigenen Verhaltens verunsichert (wirke ich etwa so als wolle ich es nicht?!) und somit meine Stimmung wesentlich gedämpft. Es kann sehr frustrierend sein ein "ist alles in Ordnung?" zu hören wenn man gerade voll dabei ist.

Durch die umfassende Beachtung von “Yes means Yes” könnten sicher einige Vergewaltigungen verhindert werden. Bei Fehlen eines expliziten verbalen “Ja” eine Vergewaltigung zu vermuten halte ich aber für kreuzfalsch. Ausserhalb meines Nebenjobs als Sexarbeiterin (wo der Konsens praktisch immer explizit ist und auch sein muss) habe ich nur selten beim ersten mal verbal meinen Konsens vermittelt. Ich bin gerne aktiv, deshalb gibt es einen ziemlich eindeutigen nonverbalen Konsens. Aber ich weiss, dass viele Frauen dies nicht sind und es bevorzugen ihren Partner machen zu lassen, es geniessen passiv zu empfangen statt selbst auch etwas beizutragen.

Da ist es schon viel schwieriger. Es besteht natürlich ein grosser Unterschied, ob man aus heiterem Himmel “überfallen” wird und deshalb so unter Schock ist dass man kein Nein äussern kann, oder ob in einem Zusammenhang, in dem es oft zu Sex kommt, bei “normalem” Tempo des Fortschreitens der sexuellen Handlung aus irgendwelchen nicht ersichtlichen Gründen blockiert ist, Nein zu sagen.

Meines Erachtens muss man darauf abstellen ob für eine durchschnittlich emotional intelligente Person erkennbar ist, dass ein Nein gar nicht geäussert werden kann bzw. eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür besteht. Im ersten Beispiel und unter starkem Alkohol- und Drogeneinfluss ist dies eindeutig, im zweiten aber keineswegs. YMY beinhaltet diesen Gedanken, geht aber so wie ich es verstanden habe wesentlich weiter. Dem initiierenden Partner wird die Verantwortung zur Einholung des Einverständnisses auch dort auferlegt, wo kein Anlass dazu besteht anzunehmen, der Gegenpart sei unfähig ein Nein zu äussern.

Das “Yes means Yes”-Konzept kann nur ein Appell an zwischenmenschlich klarere Kommunikation sein, nicht aber eine Abgrenzung zwischen Sex und Vergewaltigung.

Samstag, 15. Oktober 2011

US-Prostitutionspolitik und philippinische Migrantinnen in Japan


Auszug des neuen Buches von Rhacel Parrenas, Soziologieprofessorin mit Erfahrung als migrantische Sexarbeiterin. Ein weiteres Beispiel für die negativen Auswirkungen, welche die Prostitutionspolitik der USA auf Sexarbeiterinnen Weltweit hat.

"...Yet the U.S. State Department cites the “dohan” (Anm: Compensated date of hostesses with their customers outside of the club) as an indication that Filipina hostesses are sexually trafficked in Japan. Such false assumptions led to a U.S. policy that prompted Japan, in 2006, to reduce the number of visas for Filipina hostesses by 90 percent. Anti-trafficking and anti-prostitution crusaders counted this a triumph. But no trafficking and very little prostitution was stopped, and 81,000 Filipinas lost their livelihoods.

Unsubstantiated claims of the forced prostitution of Filipina hostesses are morally charged, and divert attention from the need for regulation and protection of sex workers.

For Filipina hostesses, the goal should be job improvement, not job elimination. What’s needed are laws to prevent abusive behavior by middleman brokers. Club owners should be required to pay hostesses directly, rather than brokers. And labor standards should be enacted to ensure that the hostesses have regular days off and an eight-hour-per-evening work limit.

Hostesses don’t need to be rescued. They need the empowerment that comes from being independent labor migrants. Only then can they remain gainfully employed, free of migrant brokers, and have full control of their own lives..."

Freitag, 14. Oktober 2011

Prostitution und Missbrauch

In Diskussionen über Sexarbeit kommt von Gegnern oft das "Argument", das alle Prostituierte in ihrer Kindheit missbraucht worden seien. Als angeblicher Beweis werden Studien herangezogen, welche von Prostituionsgegnern wie Melissa Farley unter wissenschaftlich-ethisch höchst fraglichen Bedingungen durchgeführt wurden, wo Objektivität schon in den Fragestellungen verunmöglicht wird. Hinzu kommt, dass es keine Vergleichsgruppe in der Gesamtbevölkerung gibt(ein Grundlegendes Konzept wissenschaftlichen Arbeitens ist das "peer group reviewing"). Dies liegt unter anderem wohl daran, dass andere Berufsgruppen nicht den gleichen Vorurteilen unterliegen.

Wenn man gewissen Statistiken glaubt (deren Richtigkeit ich hier jetzt nicht diskutieren werde, da ich die Quelle dieser oftmals genannten Zahlen nicht kenne)vwird jede 3. bis 4. Frau in der Kindheit sexuell Missbraucht. Das ist schonmal eine sehr hohe Zahl, bei der es keineswegs verwunderlich wäre, dass sich auch unter Prostituierten viele Missbrauchsüberlebende befinden. Doch was ist mit der Anzahl der Missbrauchsopfer bei Serviceangestellten, Goldschmiedinnen, Hausfrauen? Diese dürfte ebenfalls sehr hoch sein...

Näher betrachtet wird schleierhaft, was überhaupt der Zweck der Aussage über Missbrauch sein soll. Selbst wenn tatsächlich überproportional viele Sexarbeiterinnen in der Vergangenheit solche negativen Erfahrungen gehabt hätten, so sagt dies nichts über die Legitimität von Prostitution aus. Einmal könnte es sein, dass Missbrauchsopfer wegen Traumatisierung Konzentrationsschwierigkeiten entwickeln und so schlechtere Schulleistungen erbringen, weshalb sie eher in Berufen tätig sind deren Ausbildungsschwelle tief ist- wozu zweifellos Sexarbeit in seiner Kernleistung gehört. Auch könnte es sein, dass die Tätigkeit als Prostituierte einen Verarbeitungsprozess darstellt. Sexarbeiterinnen setzen Grenzen, lernen umso deutlicher nein zu sagen. Was vom Konsens erfasst wird ist viel klarer als bei "zivilem" Sex, da die eigenen Grenzen im Regelfall vorher besprochen werden. Ich bin zwar keine Psychologin, kann mir aber vorstellen dass dies für einige Missbrauchsüberlebende ein Zurückholen der Selbstbestimmung darstellt. Auch kann man unter den richtigen Bedingungen sehr positive Erlebnisse haben, was die negativen in der Kindheit vielleicht ein Stück weit kompensiert.

Hier ein weiterer Artikel, der die Problematik von solchen Missbrauchsvorwürfen beleuchtet

"Can you imagine how infuriating it is to have strangers regularly make salacious assumptions about your past? To have someone you’ve never met make themselves an expert on your life? If you’re a sex worker, chances are you don’t have to imagine, because you come up against this shiz all the time, and from complete strangers no less. And denying it only makes it worse(...)
Not all sex workers were molested or beaten or criminally mistreated while growing up. Some of them were, just like some doctors and some teachers and some plumbers were. But it doesn’t matter because—here’s a radical thought—whether or not any given sex worker has a tragic past is profoundly none of your business. And your speculation is profoundly unfunny."

Montag, 3. Oktober 2011

Forced and voluntary prostitution

Question posed on Quora, to which I answer here since the access to commenting is restricted:

"Why is it so common to include voluntary prostitution in the category of sex trafficking?"

Some people simply can't imagine that any women would choose to do this. Because what they can't imagine cannot allowed to be, they defame and slander us as mentally ill or victimize us otherwise. Through this, our consent is rendered irrelevant, valued less and our choices can be lumped together with slavery. I don't claim that sex work is all glamorous and nice- the stigmatization which leads to a double-life or discrimination can be hard, and of course not all clients are nice (although the majority is, and with experience the idiots can largely be avoided). But I alone know so many women (myself included) who do this job and really, really like it. I don't claim that all prostitutes are like this- not by far! But even regarding those for whom it's just a way to make money and not a personal preference, consent still matters and has to be respected. In the end, it all boils down to RESPECT or DISRESPECT about the autonomy of women to decide what they can or cannot do with their bodies.

Many people also conflate the issue of generally bad situations for women in certain cultures with sex work in general. People who claim all or most prostitutes are victims often refer to the situation in third-world countries to prove that most prostitutes are exploited- after all, those countries make up the majority of the world population. Here, the bad situation for sex workers is not a problem of prostitution per se, but just a symptom of the poverty, misogyny and other social problems that pierce the majority of said society. These problems also apply to other kinds of work and not seldom to marriage. One may just as well say that most people are exploited.

An example that is currently much-discussed in Switzerland is the exploitation of street prostitutes from the Roma- minority. Roma face various forms of discrimination in their home countries (mainly Hungary): Restricted access to education and jobs lead to poverty, and landlords refuse to hire to them. This leads to resentment among the Roma, which gives rise to the infamous self- fulfilling prophecy and in turn leads to more discrimination. Furthermore, Roma culture has strong patriarchal values, which doubles the discrimination towards Roma- women. The money earned is transferred to the male heads of the family. It's the brothers, husbands and other relatives who are the pimps. Some of these women don't identify as victims, because for them it's normal to be controlled by the males in their surroundings- it's not specifically prostitution-related. If anyone has an plan that can magically fix all causes for exploitation, he or she is a genius deserving of the nobel price - but certainly attacking sex work in general and devaluing the choices of sex workers is not the solution.

Dienstag, 20. September 2011

Sittenwidrigkeit vs. Menschenrechte

Sexarbeiterinnen sollen gemäss der Kommission des Grossrats im Kanton Bern ihren Lohn rechtlich einfordern können.
Zurzeit gilt Prostitution in der Schweiz als Sittenwidrig, weshalb ein ganzer Berufszweig neben der sozialen auch massive rechtliche Diskriminierung erfährt. Die Sittenwidrigkeit wird damit begründet, dass niemand vertraglich zur Leistung von sexuellen Handlungen verpflichtet werden darf. Als Gegenstück dazu kann auch das Honorar nicht eingefordert werden. Da die Sexualität ein so sensibler Bereich ist, finde ich den ersten Teil absolut gerechtfertigt. Prostitution ist ein Beruf, aber keiner wie jeder andere- er braucht spezielle Schutznormen.

Diese sind aber nicht mit Repressionen zu verwechseln!! In Österreich müssen Prostituierte zum Beispiel gemeldet sein. Aufgrund der immer noch existierenden Stigmatisierung und dem faktisch fehlenden Datenschutz in diesem Bereich ist dies sehr problematisch. In der Vergangenheit ist es vorgekommen, dass die Polizei beim "bürgerlichen" Arbeitsplatz von Prostituierten vorbeigekommen sind um sie blosszustellen, wenn diese nicht erniedrigende Zwangsuntersuchungen über sich ergehen lassen wollten. Auch Erpressungen durch Personen, welche an die Meldedaten gekommen sind (Beamte oder Unbeteiligte), haben sich schon vielfach ereignet. Sexarbeiterinnen werden offiziell gebrandmarkt und haben es deshalb wesentlich schwerer einen Berufswechsel durchzuführen, obwohl letzteres ganz im Sinne von Prostitutionsgegnern sein sollte.

Es gibt eine vielzahl von Berufen, welche Sonderregeln brauchen, Sexarbeit ist damit nicht alleine. Wie ich in einem früheren Post geschrieben habe, sollten Prostituierte mit der neuen Regelung nicht zu sexuellen Handlungen verpflichtet werden, sondern das Honorar zurückgeben falls sie ihren Teil aus welchen Gründen auch immer nicht erfüllen können/wollen.

In der Praxis wird diese Regelung unbedeutend sein, da alle Sexarbeiterinnen ausser den unerfahrensten und gutgläubigsten/naivsten das Honorar vorher verlangen. Sie enthält allerdings eine wichtige Stellungnahme, nämlich dass die Rechte von Sexarbeiterinnen respektiert werden sollen wie diejenigen anderer Menschen auch.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Sonntag, 24. Juli 2011

Weltweite negative Auswirkungen der US-Prostitutionspolitik

Ein älterer Artikel der Washington- Post. In Brasilien herrscht eine ziemlich hohe Aids-Rate, doch war sie 2006 nur halb so hoch wie 1990 prognostiziert.

"When we started in the 1980s, our projected AIDS rates were exactly the same as Africa's, but now it's a completely different story," said Mariangela Simao, deputy director of Brazil's national HIV-AIDS program in Brasilia. "I'm convinced it's a result of the way the government has responded. We provide information and resources, and don't enter into moral or religious issues."

Der Brasilianische Ansatz beinhaltet unter anderem die Zusammenarbeit mit Prostituierten. Diese Fortschrittliche Einstellung hat dazu geführt, dass die USA Finanzierungsgelder entzogen hat (siehe Artikel).

Die Konsequenzen in Ländern, welche nicht auf die Hilfsgelder verzichten wollen/können und somit die von der USA gewünschten Massnahmen implementieren, sehen so aus. Ein aktuelles Beispiel sind die andauernden Proteste von Sexarbeiter/innen in Südkorea, wobei einige sich während einer grossen Demo aus Verzweiflung über den Polizeiterror sogar anzünden wollten.



Gegen die vorherrschenden Hurenphobie in der USA versucht SWAAY (Sex Workers, Allies and You) eine kleine Plakatkampagne auf Spendenbasis zu starten (mindestens 7 Dollar pro Person). HIER könnt ihr mitmachen!!

Freitag, 22. Juli 2011

Samstag, 16. Juli 2011

Sexuelle Belästigung

Ich wurde gerade auf offener Strasse tätlich sexuell belästigt. Ein Mann fragte mich nach dem Weg zur Strasse X. Ich setzte zur Erklärung an während wir beide weiterliefen, wobei er etwas näher kam, schon weiter als mein Komfortabstand. Ich dachte mir zunächst nichts dabei, vielleicht wollte er die Beschreibung ja einfach besser hören. Und ehe ich mich versah, griff er an meinen Hintern. Ich stiess ihn sofort weg und trat ihm ans Bein. Er tat natürlich so als sei es ein "Ausrutscher" gewesen.

Einerseits bin ich froh und auch etwas stolz darauf, dass ich so schnell reagiert habe. Ähnliches ist mir vor Jahren einige Male im Bus passiert, doch war ich damals wie paralysiert. Die damalige Untätigkeit, das Gefühl der Hilflosigkeit, ärgern mich heute noch.
Andererseits bereue ich es, den Angreifer auch dieses mal nicht fester getreten zu haben, nichtmal beschimpft habe ich ihn. Ich wollte einfach so schnell wie möglich weiterlaufen. Leider gibt es genug solche Vorfälle, um mit der Zeit die eigene Reaktion zu verbessern.