Bei Menschen bei Maischberger war wieder mal das Thema Prostitution angesagt. Hier ein Artikel zur Sendung
Mit dabei war Alice Schwarzer, die wie erwartet absolut unqualifizierte Aussagen von sich gab und die Prostituierte Kyra dauernd unterbrach. Auch die Sozialarbeiterin Sabine Konstabel beharrte wieder mal darauf, dass ihre Klientinnen die Norm seien- ähnlich als würde ein Psychologe aufgrund seiner Tätigkeit zum Schluss kommen, dass alle Menschen psychologische Probleme hätten (nach einer aktuellen Studie auf die ich irgendwo im Blog mal verwiesen habe leiden zwar sehr viele, aber immer noch weniger als die Hälfte aller Menschen unter psychischen Problemen)
Im Spiegel-Forum kam im Anschluss das Thema des Schwedischen Modells der Freierbestrafung auf, hier mein Beitrag dazu:
"Zitat User: Nochmal: es scheint vergessen zu werden, dass sich das schwedische Modell einzig gegen die Freier richtet. ."
Dies stimmt leider keineswegs. In Schweden darf man keine Wohnungen an Prostituierte vermieten- weil es als "Zuhälterei" gilt. So sind Prostituierte stets auf die Gnade der Vermieter angewiesen, welche sie jederzeit wegen dieser Regelung auf die Strasse stellen können/müssen. Prostituierten werden die Kinder weggenommen, egal wie geordnet die Lebensverhältnisse der Mutter- sobald das Schreckensgespenst "Prostitution" auftaucht, hat sie keine Chance mehr sich zu wehren, denn in Schweden hat sich das Bild durchgesetzt das Prostituierte hilflose, geschädigte Opfer seien- die können doch sowieso nichts vernünftiges zu sagen haben.
Eines sollte klar gemacht werden: Den Befürwortern des Schwedischen Modells GEHT ES NICHT UM DIE RECHTE und das WOHLERGEHEN von Prostituierten. Denn das würde voraussetzen, dass man den Betroffenen tatsächlich zuhört, was ihre Bedürfnisse sind. Und zwar nicht nur vereinzelten Personen, welche die eigene Ideologie teilen, sondern alle Betroffenen. Sexarbeit hat so viele verschiedene Facetten- da kann man nicht zb. von Strassenprostituierten auf Callgirls und Dominas schliessen und umgekehrt.
Ein Berufswechsel- die einzige Option, welche das Schwedische Modell für Prostituierte bereithält- ist von vielen gar nicht gewünscht. Ausserdem registriert die Regierung Prostituierte, was einen Berufswechsel praktisch verunmöglichen kann. Repression hilft nicht, nur RECHTE! Gerade Prostitutionsgegner behaupten gerne fälschlicherweise, die Mehrzahl der Prostituierten seien Opfer. Auch wenn das tatsächlich stimmen würde, was aber aus meiner Erfahrung als Prostituierte und Erfahrungen von Kolleginnen absolut nicht zutrifft, so wäre dies umso mehr ein Grund um für Menschenrechte zu kämpfen! Und diese beinhalten in erster Linie Selbstbestimmung, Respekt vor der Autonomie von Menschen und so gute Rahmenbedingungen für ALLE wie möglich."
In der Sendung sprach sich noch eine Frau gegen Sexarbeit aus, deren Mann sie mit einer Prostituierten betrogen hatte:
"Da werden Familien zerstört, weil es so einfach ist in Deutschland, ins Bordell zu gehen."
Nein, Prostituierte schaffen ein Gleichgewicht in der Möglichkeit von Männern und Frauen, unverbindlichen Sex zu haben. Ich finde es keineswegs in Ordnung, wenn Ehemänner ihre Ehefrauen betrügen- weil es ein Vertrauensbruch ist. In vielen Fällen besteht aber nur die Alternative zwischen einem unglücklichen, sexlosen Eheleben mit Frustration, oder die Befriedigung mit Inkaufnahme eines Vertrauensbruch anderswo holen. Eine offene Beziehung, bei der in solchen Fällen beide auf ihre Kosten kommen können, ist für die meisten Paare keine Option. Für diese besteht nur die Wahl zwischen zwei Übeln, welche beide gleichermassen eine Ehe zerstören können.
Mittwoch, 14. März 2012
Dienstag, 13. März 2012
Hopp Bern!

Die Berner Regierung setzt sich weiter gegen die Unsitte der geschäftlichen Rechtlosigkeit von Prostituierten ein
Einige herauszuhebende Punkte aus dem Artikel:
"Was nach überholter Moral aussieht, ist für die Prostituierten juristisch von Bedeutung: Verträge, die gegen die guten Sitten verstossen, sind gemäss Obligationenrecht nichtig, womit Forderungen nicht einklagbar sind. Prostituierte sind so gesehen auf den Goodwill ihrer Kundschaft gewiesen (...)Weil Prostitution seit 1942 legal ist und Prostituierte überdies Einkommenssteuern zahlen, hat die Bundesgerichtspraxis zudem etwas Scheinheiliges."
Genau! Es darf nicht sein, dass steuerzahlende Dienstleister/innen in einem legalen Gewerbe keinerlei Handhabe haben, um sich gegen Betrüger und Zechpreller zu wehren. Interessant ist, dass die Forderung nach gleichen Rechten für Sexworker gar nicht so neu ist- schon vor 18 Jahren wollte ein Nationalrat gegen diese Diskriminierung vorgehen. Das Bundesgericht wimmelte den Vorstoss damit ab, es habe die Autorität zu entscheiden, was Sittenwidrigkeit ist. Schade, dass der Nationalrat und seine Unterstützer bei dieser paternalistischen Argumentation klein beigab.
Samstag, 10. März 2012
"Rettung" thailändischer Sexworker
Auch in Thailand springt man auf den Zug der Trafficking-Hysterie auf: Sexarbeiter/innen werden "gerettet", indem man sie verhaftet, festhält und zwingt an Umbildungprogrammen teilzunehmen, ob sie es nun wollen oder nicht. Migranten werden abgeschoben. Diese kommen bei der ersten Gelegenheit zurück, da sie auf das Geldverdienen angewiesen sind- müssen aber erneuert für die Reise aufkommen und verlieren dadurch finanzielle Mittel.
Wenn man zwischen Sanktionen mit Polizeigewalt und Zwangs"rettung" (wenn diese denn tatsächlich ohne Vergewaltigungen und sonstigen Missbrauch abläuft) vergleicht, ist letzteres sicher das geringere Übel und stellt zum vorherigen Zustand eine Verbesserung dar. Helfen tut sie aber auch nicht, so lange man den Betroffenen nicht zuhört und ihre tatsächlichen Bedürfnisse beachtet.
Wenn man zwischen Sanktionen mit Polizeigewalt und Zwangs"rettung" (wenn diese denn tatsächlich ohne Vergewaltigungen und sonstigen Missbrauch abläuft) vergleicht, ist letzteres sicher das geringere Übel und stellt zum vorherigen Zustand eine Verbesserung dar. Helfen tut sie aber auch nicht, so lange man den Betroffenen nicht zuhört und ihre tatsächlichen Bedürfnisse beachtet.
Donnerstag, 8. März 2012
Ein erschütternder Fall von Zwangsprostitution und verweigerter Gerechtigkeit.
"Bis heute ist Sara von ihrer Behauptung nicht abgerückt: "Ingo", ein ehemaliger Freier des "Jasmin", habe sie bei dem Prozess 1994 von der Richterbank aus angelächelt. Anfang des Jahres 1993 war das "Jasmin" von der Polizei gestürmt worden, da vermutet wurde, dass auch einflussreiche Persönlichkeiten, darunter auch ranghohe Juristen, hier ein und aus gingen. Im damaligen Prozess wurde der Betreiber des Bordells vom Landgericht Leipzig wegen schweren Menschenhandels, Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger und sexuellen Missbrauchs von Kindern zu vier Jahren Gefängnis verurteilt."
Vielsagend ist, wie der Richter versucht die Zeuginnen zu diskreditieren, indem er sie Prostituierte anstatt Zwangsprostituierte nennt. Damit soll ihr Leid heruntergespielt werden- denn nur "anständige" Frauen, welche freiwillig niemals sexuelle Dienstleistungen angeboten hätten, sind schützenswert. Dies zeigt, wie sehr eine verachtenswerte Denkweise noch in gewissen Teilen der Gesellschaft verankert ist: Nämlich dass nicht die sexuelle Selbstbestimmung, die physische und psychische Integrität vor Übergriffen geschützt werden soll, sondern die "sexuelle Tugend".
"Im Urteil liest man, die Gewaltanwendung des Angeklagten habe sich in Grenzen gehalten. Kurz vor ihrem 14. Geburtstag habe das Mädchen "bereits sexuelle Erfahrungen“ gehabt und freiwillig diese Handlungen geduldet."
...
"Bis heute ist Sara von ihrer Behauptung nicht abgerückt: "Ingo", ein ehemaliger Freier des "Jasmin", habe sie bei dem Prozess 1994 von der Richterbank aus angelächelt. Anfang des Jahres 1993 war das "Jasmin" von der Polizei gestürmt worden, da vermutet wurde, dass auch einflussreiche Persönlichkeiten, darunter auch ranghohe Juristen, hier ein und aus gingen. Im damaligen Prozess wurde der Betreiber des Bordells vom Landgericht Leipzig wegen schweren Menschenhandels, Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger und sexuellen Missbrauchs von Kindern zu vier Jahren Gefängnis verurteilt."
Vielsagend ist, wie der Richter versucht die Zeuginnen zu diskreditieren, indem er sie Prostituierte anstatt Zwangsprostituierte nennt. Damit soll ihr Leid heruntergespielt werden- denn nur "anständige" Frauen, welche freiwillig niemals sexuelle Dienstleistungen angeboten hätten, sind schützenswert. Dies zeigt, wie sehr eine verachtenswerte Denkweise noch in gewissen Teilen der Gesellschaft verankert ist: Nämlich dass nicht die sexuelle Selbstbestimmung, die physische und psychische Integrität vor Übergriffen geschützt werden soll, sondern die "sexuelle Tugend".
"Im Urteil liest man, die Gewaltanwendung des Angeklagten habe sich in Grenzen gehalten. Kurz vor ihrem 14. Geburtstag habe das Mädchen "bereits sexuelle Erfahrungen“ gehabt und freiwillig diese Handlungen geduldet."
...
Samstag, 3. März 2012
International Sex Workers Rights Day

Heute ist der Internationale Tag für die Rechte von Sexarbeiter/innen. Er wurde 2001in Indien als eine Art Festival-Kundgebung ins Leben gerufen. Maggie McNeill hat einen Beitrag. dazu geschrieben.
Montag, 13. Februar 2012
Mittwoch, 14. Dezember 2011
Yes means Yes
Auf der Mädchenmannschaft läuft gerade eine Diskussion über das Yes means Yes- Konzept
“Ich habe das durchaus auch schon des Öfteren erlebt, dass mal zwischendurch gefragt wurde, ob das denn jetzt alles ok so ist und auch wenns mich überrascht hat (weil ich dachte, mich eigentlich recht eindeutig diesbezüglich verhalten zu haben)”
Das habe ich auch schonmal erlebt. Einerseits fand ich es positiv und rücksichtsvoll, andererseits hat es mich bezüglich meines eigenen Verhaltens verunsichert (wirke ich etwa so als wolle ich es nicht?!) und somit meine Stimmung wesentlich gedämpft. Es kann sehr frustrierend sein ein "ist alles in Ordnung?" zu hören wenn man gerade voll dabei ist.
Durch die umfassende Beachtung von “Yes means Yes” könnten sicher einige Vergewaltigungen verhindert werden. Bei Fehlen eines expliziten verbalen “Ja” eine Vergewaltigung zu vermuten halte ich aber für kreuzfalsch. Ausserhalb meines Nebenjobs als Sexarbeiterin (wo der Konsens praktisch immer explizit ist und auch sein muss) habe ich nur selten beim ersten mal verbal meinen Konsens vermittelt. Ich bin gerne aktiv, deshalb gibt es einen ziemlich eindeutigen nonverbalen Konsens. Aber ich weiss, dass viele Frauen dies nicht sind und es bevorzugen ihren Partner machen zu lassen, es geniessen passiv zu empfangen statt selbst auch etwas beizutragen.
Da ist es schon viel schwieriger. Es besteht natürlich ein grosser Unterschied, ob man aus heiterem Himmel “überfallen” wird und deshalb so unter Schock ist dass man kein Nein äussern kann, oder ob in einem Zusammenhang, in dem es oft zu Sex kommt, bei “normalem” Tempo des Fortschreitens der sexuellen Handlung aus irgendwelchen nicht ersichtlichen Gründen blockiert ist, Nein zu sagen.
Meines Erachtens muss man darauf abstellen ob für eine durchschnittlich emotional intelligente Person erkennbar ist, dass ein Nein gar nicht geäussert werden kann bzw. eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür besteht. Im ersten Beispiel und unter starkem Alkohol- und Drogeneinfluss ist dies eindeutig, im zweiten aber keineswegs. YMY beinhaltet diesen Gedanken, geht aber so wie ich es verstanden habe wesentlich weiter. Dem initiierenden Partner wird die Verantwortung zur Einholung des Einverständnisses auch dort auferlegt, wo kein Anlass dazu besteht anzunehmen, der Gegenpart sei unfähig ein Nein zu äussern.
Das “Yes means Yes”-Konzept kann nur ein Appell an zwischenmenschlich klarere Kommunikation sein, nicht aber eine Abgrenzung zwischen Sex und Vergewaltigung.
“Ich habe das durchaus auch schon des Öfteren erlebt, dass mal zwischendurch gefragt wurde, ob das denn jetzt alles ok so ist und auch wenns mich überrascht hat (weil ich dachte, mich eigentlich recht eindeutig diesbezüglich verhalten zu haben)”
Das habe ich auch schonmal erlebt. Einerseits fand ich es positiv und rücksichtsvoll, andererseits hat es mich bezüglich meines eigenen Verhaltens verunsichert (wirke ich etwa so als wolle ich es nicht?!) und somit meine Stimmung wesentlich gedämpft. Es kann sehr frustrierend sein ein "ist alles in Ordnung?" zu hören wenn man gerade voll dabei ist.
Durch die umfassende Beachtung von “Yes means Yes” könnten sicher einige Vergewaltigungen verhindert werden. Bei Fehlen eines expliziten verbalen “Ja” eine Vergewaltigung zu vermuten halte ich aber für kreuzfalsch. Ausserhalb meines Nebenjobs als Sexarbeiterin (wo der Konsens praktisch immer explizit ist und auch sein muss) habe ich nur selten beim ersten mal verbal meinen Konsens vermittelt. Ich bin gerne aktiv, deshalb gibt es einen ziemlich eindeutigen nonverbalen Konsens. Aber ich weiss, dass viele Frauen dies nicht sind und es bevorzugen ihren Partner machen zu lassen, es geniessen passiv zu empfangen statt selbst auch etwas beizutragen.
Da ist es schon viel schwieriger. Es besteht natürlich ein grosser Unterschied, ob man aus heiterem Himmel “überfallen” wird und deshalb so unter Schock ist dass man kein Nein äussern kann, oder ob in einem Zusammenhang, in dem es oft zu Sex kommt, bei “normalem” Tempo des Fortschreitens der sexuellen Handlung aus irgendwelchen nicht ersichtlichen Gründen blockiert ist, Nein zu sagen.
Meines Erachtens muss man darauf abstellen ob für eine durchschnittlich emotional intelligente Person erkennbar ist, dass ein Nein gar nicht geäussert werden kann bzw. eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür besteht. Im ersten Beispiel und unter starkem Alkohol- und Drogeneinfluss ist dies eindeutig, im zweiten aber keineswegs. YMY beinhaltet diesen Gedanken, geht aber so wie ich es verstanden habe wesentlich weiter. Dem initiierenden Partner wird die Verantwortung zur Einholung des Einverständnisses auch dort auferlegt, wo kein Anlass dazu besteht anzunehmen, der Gegenpart sei unfähig ein Nein zu äussern.
Das “Yes means Yes”-Konzept kann nur ein Appell an zwischenmenschlich klarere Kommunikation sein, nicht aber eine Abgrenzung zwischen Sex und Vergewaltigung.
Samstag, 15. Oktober 2011
US-Prostitutionspolitik und philippinische Migrantinnen in Japan

Auszug des neuen Buches von Rhacel Parrenas, Soziologieprofessorin mit Erfahrung als migrantische Sexarbeiterin. Ein weiteres Beispiel für die negativen Auswirkungen, welche die Prostitutionspolitik der USA auf Sexarbeiterinnen Weltweit hat.
"...Yet the U.S. State Department cites the “dohan” (Anm: Compensated date of hostesses with their customers outside of the club) as an indication that Filipina hostesses are sexually trafficked in Japan. Such false assumptions led to a U.S. policy that prompted Japan, in 2006, to reduce the number of visas for Filipina hostesses by 90 percent. Anti-trafficking and anti-prostitution crusaders counted this a triumph. But no trafficking and very little prostitution was stopped, and 81,000 Filipinas lost their livelihoods.
Unsubstantiated claims of the forced prostitution of Filipina hostesses are morally charged, and divert attention from the need for regulation and protection of sex workers.
For Filipina hostesses, the goal should be job improvement, not job elimination. What’s needed are laws to prevent abusive behavior by middleman brokers. Club owners should be required to pay hostesses directly, rather than brokers. And labor standards should be enacted to ensure that the hostesses have regular days off and an eight-hour-per-evening work limit.
Hostesses don’t need to be rescued. They need the empowerment that comes from being independent labor migrants. Only then can they remain gainfully employed, free of migrant brokers, and have full control of their own lives..."
Freitag, 14. Oktober 2011
Prostitution und Missbrauch
In Diskussionen über Sexarbeit kommt von Gegnern oft das "Argument", das alle Prostituierte in ihrer Kindheit missbraucht worden seien. Als angeblicher Beweis werden Studien herangezogen, welche von Prostituionsgegnern wie Melissa Farley unter wissenschaftlich-ethisch höchst fraglichen Bedingungen durchgeführt wurden, wo Objektivität schon in den Fragestellungen verunmöglicht wird. Hinzu kommt, dass es keine Vergleichsgruppe in der Gesamtbevölkerung gibt(ein Grundlegendes Konzept wissenschaftlichen Arbeitens ist das "peer group reviewing"). Dies liegt unter anderem wohl daran, dass andere Berufsgruppen nicht den gleichen Vorurteilen unterliegen.
Wenn man gewissen Statistiken glaubt (deren Richtigkeit ich hier jetzt nicht diskutieren werde, da ich die Quelle dieser oftmals genannten Zahlen nicht kenne)vwird jede 3. bis 4. Frau in der Kindheit sexuell Missbraucht. Das ist schonmal eine sehr hohe Zahl, bei der es keineswegs verwunderlich wäre, dass sich auch unter Prostituierten viele Missbrauchsüberlebende befinden. Doch was ist mit der Anzahl der Missbrauchsopfer bei Serviceangestellten, Goldschmiedinnen, Hausfrauen? Diese dürfte ebenfalls sehr hoch sein...
Näher betrachtet wird schleierhaft, was überhaupt der Zweck der Aussage über Missbrauch sein soll. Selbst wenn tatsächlich überproportional viele Sexarbeiterinnen in der Vergangenheit solche negativen Erfahrungen gehabt hätten, so sagt dies nichts über die Legitimität von Prostitution aus. Einmal könnte es sein, dass Missbrauchsopfer wegen Traumatisierung Konzentrationsschwierigkeiten entwickeln und so schlechtere Schulleistungen erbringen, weshalb sie eher in Berufen tätig sind deren Ausbildungsschwelle tief ist- wozu zweifellos Sexarbeit in seiner Kernleistung gehört. Auch könnte es sein, dass die Tätigkeit als Prostituierte einen Verarbeitungsprozess darstellt. Sexarbeiterinnen setzen Grenzen, lernen umso deutlicher nein zu sagen. Was vom Konsens erfasst wird ist viel klarer als bei "zivilem" Sex, da die eigenen Grenzen im Regelfall vorher besprochen werden. Ich bin zwar keine Psychologin, kann mir aber vorstellen dass dies für einige Missbrauchsüberlebende ein Zurückholen der Selbstbestimmung darstellt. Auch kann man unter den richtigen Bedingungen sehr positive Erlebnisse haben, was die negativen in der Kindheit vielleicht ein Stück weit kompensiert.
Hier ein weiterer Artikel, der die Problematik von solchen Missbrauchsvorwürfen beleuchtet
"Can you imagine how infuriating it is to have strangers regularly make salacious assumptions about your past? To have someone you’ve never met make themselves an expert on your life? If you’re a sex worker, chances are you don’t have to imagine, because you come up against this shiz all the time, and from complete strangers no less. And denying it only makes it worse(...)
Not all sex workers were molested or beaten or criminally mistreated while growing up. Some of them were, just like some doctors and some teachers and some plumbers were. But it doesn’t matter because—here’s a radical thought—whether or not any given sex worker has a tragic past is profoundly none of your business. And your speculation is profoundly unfunny."
Wenn man gewissen Statistiken glaubt (deren Richtigkeit ich hier jetzt nicht diskutieren werde, da ich die Quelle dieser oftmals genannten Zahlen nicht kenne)vwird jede 3. bis 4. Frau in der Kindheit sexuell Missbraucht. Das ist schonmal eine sehr hohe Zahl, bei der es keineswegs verwunderlich wäre, dass sich auch unter Prostituierten viele Missbrauchsüberlebende befinden. Doch was ist mit der Anzahl der Missbrauchsopfer bei Serviceangestellten, Goldschmiedinnen, Hausfrauen? Diese dürfte ebenfalls sehr hoch sein...
Näher betrachtet wird schleierhaft, was überhaupt der Zweck der Aussage über Missbrauch sein soll. Selbst wenn tatsächlich überproportional viele Sexarbeiterinnen in der Vergangenheit solche negativen Erfahrungen gehabt hätten, so sagt dies nichts über die Legitimität von Prostitution aus. Einmal könnte es sein, dass Missbrauchsopfer wegen Traumatisierung Konzentrationsschwierigkeiten entwickeln und so schlechtere Schulleistungen erbringen, weshalb sie eher in Berufen tätig sind deren Ausbildungsschwelle tief ist- wozu zweifellos Sexarbeit in seiner Kernleistung gehört. Auch könnte es sein, dass die Tätigkeit als Prostituierte einen Verarbeitungsprozess darstellt. Sexarbeiterinnen setzen Grenzen, lernen umso deutlicher nein zu sagen. Was vom Konsens erfasst wird ist viel klarer als bei "zivilem" Sex, da die eigenen Grenzen im Regelfall vorher besprochen werden. Ich bin zwar keine Psychologin, kann mir aber vorstellen dass dies für einige Missbrauchsüberlebende ein Zurückholen der Selbstbestimmung darstellt. Auch kann man unter den richtigen Bedingungen sehr positive Erlebnisse haben, was die negativen in der Kindheit vielleicht ein Stück weit kompensiert.
Hier ein weiterer Artikel, der die Problematik von solchen Missbrauchsvorwürfen beleuchtet
"Can you imagine how infuriating it is to have strangers regularly make salacious assumptions about your past? To have someone you’ve never met make themselves an expert on your life? If you’re a sex worker, chances are you don’t have to imagine, because you come up against this shiz all the time, and from complete strangers no less. And denying it only makes it worse(...)
Not all sex workers were molested or beaten or criminally mistreated while growing up. Some of them were, just like some doctors and some teachers and some plumbers were. But it doesn’t matter because—here’s a radical thought—whether or not any given sex worker has a tragic past is profoundly none of your business. And your speculation is profoundly unfunny."
Montag, 3. Oktober 2011
Forced and voluntary prostitution
Question posed on Quora, to which I answer here since the access to commenting is restricted:
"Why is it so common to include voluntary prostitution in the category of sex trafficking?"
Some people simply can't imagine that any women would choose to do this. Because what they can't imagine cannot allowed to be, they defame and slander us as mentally ill or victimize us otherwise. Through this, our consent is rendered irrelevant, valued less and our choices can be lumped together with slavery. I don't claim that sex work is all glamorous and nice- the stigmatization which leads to a double-life or discrimination can be hard, and of course not all clients are nice (although the majority is, and with experience the idiots can largely be avoided). But I alone know so many women (myself included) who do this job and really, really like it. I don't claim that all prostitutes are like this- not by far! But even regarding those for whom it's just a way to make money and not a personal preference, consent still matters and has to be respected. In the end, it all boils down to RESPECT or DISRESPECT about the autonomy of women to decide what they can or cannot do with their bodies.
Many people also conflate the issue of generally bad situations for women in certain cultures with sex work in general. People who claim all or most prostitutes are victims often refer to the situation in third-world countries to prove that most prostitutes are exploited- after all, those countries make up the majority of the world population. Here, the bad situation for sex workers is not a problem of prostitution per se, but just a symptom of the poverty, misogyny and other social problems that pierce the majority of said society. These problems also apply to other kinds of work and not seldom to marriage. One may just as well say that most people are exploited.
An example that is currently much-discussed in Switzerland is the exploitation of street prostitutes from the Roma- minority. Roma face various forms of discrimination in their home countries (mainly Hungary): Restricted access to education and jobs lead to poverty, and landlords refuse to hire to them. This leads to resentment among the Roma, which gives rise to the infamous self- fulfilling prophecy and in turn leads to more discrimination. Furthermore, Roma culture has strong patriarchal values, which doubles the discrimination towards Roma- women. The money earned is transferred to the male heads of the family. It's the brothers, husbands and other relatives who are the pimps. Some of these women don't identify as victims, because for them it's normal to be controlled by the males in their surroundings- it's not specifically prostitution-related. If anyone has an plan that can magically fix all causes for exploitation, he or she is a genius deserving of the nobel price - but certainly attacking sex work in general and devaluing the choices of sex workers is not the solution.
"Why is it so common to include voluntary prostitution in the category of sex trafficking?"
Some people simply can't imagine that any women would choose to do this. Because what they can't imagine cannot allowed to be, they defame and slander us as mentally ill or victimize us otherwise. Through this, our consent is rendered irrelevant, valued less and our choices can be lumped together with slavery. I don't claim that sex work is all glamorous and nice- the stigmatization which leads to a double-life or discrimination can be hard, and of course not all clients are nice (although the majority is, and with experience the idiots can largely be avoided). But I alone know so many women (myself included) who do this job and really, really like it. I don't claim that all prostitutes are like this- not by far! But even regarding those for whom it's just a way to make money and not a personal preference, consent still matters and has to be respected. In the end, it all boils down to RESPECT or DISRESPECT about the autonomy of women to decide what they can or cannot do with their bodies.
Many people also conflate the issue of generally bad situations for women in certain cultures with sex work in general. People who claim all or most prostitutes are victims often refer to the situation in third-world countries to prove that most prostitutes are exploited- after all, those countries make up the majority of the world population. Here, the bad situation for sex workers is not a problem of prostitution per se, but just a symptom of the poverty, misogyny and other social problems that pierce the majority of said society. These problems also apply to other kinds of work and not seldom to marriage. One may just as well say that most people are exploited.
An example that is currently much-discussed in Switzerland is the exploitation of street prostitutes from the Roma- minority. Roma face various forms of discrimination in their home countries (mainly Hungary): Restricted access to education and jobs lead to poverty, and landlords refuse to hire to them. This leads to resentment among the Roma, which gives rise to the infamous self- fulfilling prophecy and in turn leads to more discrimination. Furthermore, Roma culture has strong patriarchal values, which doubles the discrimination towards Roma- women. The money earned is transferred to the male heads of the family. It's the brothers, husbands and other relatives who are the pimps. Some of these women don't identify as victims, because for them it's normal to be controlled by the males in their surroundings- it's not specifically prostitution-related. If anyone has an plan that can magically fix all causes for exploitation, he or she is a genius deserving of the nobel price - but certainly attacking sex work in general and devaluing the choices of sex workers is not the solution.
Dienstag, 20. September 2011
Sittenwidrigkeit vs. Menschenrechte
Sexarbeiterinnen sollen gemäss der Kommission des Grossrats im Kanton Bern ihren Lohn rechtlich einfordern können.
Zurzeit gilt Prostitution in der Schweiz als Sittenwidrig, weshalb ein ganzer Berufszweig neben der sozialen auch massive rechtliche Diskriminierung erfährt. Die Sittenwidrigkeit wird damit begründet, dass niemand vertraglich zur Leistung von sexuellen Handlungen verpflichtet werden darf. Als Gegenstück dazu kann auch das Honorar nicht eingefordert werden. Da die Sexualität ein so sensibler Bereich ist, finde ich den ersten Teil absolut gerechtfertigt. Prostitution ist ein Beruf, aber keiner wie jeder andere- er braucht spezielle Schutznormen.
Diese sind aber nicht mit Repressionen zu verwechseln!! In Österreich müssen Prostituierte zum Beispiel gemeldet sein. Aufgrund der immer noch existierenden Stigmatisierung und dem faktisch fehlenden Datenschutz in diesem Bereich ist dies sehr problematisch. In der Vergangenheit ist es vorgekommen, dass die Polizei beim "bürgerlichen" Arbeitsplatz von Prostituierten vorbeigekommen sind um sie blosszustellen, wenn diese nicht erniedrigende Zwangsuntersuchungen über sich ergehen lassen wollten. Auch Erpressungen durch Personen, welche an die Meldedaten gekommen sind (Beamte oder Unbeteiligte), haben sich schon vielfach ereignet. Sexarbeiterinnen werden offiziell gebrandmarkt und haben es deshalb wesentlich schwerer einen Berufswechsel durchzuführen, obwohl letzteres ganz im Sinne von Prostitutionsgegnern sein sollte.
Es gibt eine vielzahl von Berufen, welche Sonderregeln brauchen, Sexarbeit ist damit nicht alleine. Wie ich in einem früheren Post geschrieben habe, sollten Prostituierte mit der neuen Regelung nicht zu sexuellen Handlungen verpflichtet werden, sondern das Honorar zurückgeben falls sie ihren Teil aus welchen Gründen auch immer nicht erfüllen können/wollen.
In der Praxis wird diese Regelung unbedeutend sein, da alle Sexarbeiterinnen ausser den unerfahrensten und gutgläubigsten/naivsten das Honorar vorher verlangen. Sie enthält allerdings eine wichtige Stellungnahme, nämlich dass die Rechte von Sexarbeiterinnen respektiert werden sollen wie diejenigen anderer Menschen auch.
Zurzeit gilt Prostitution in der Schweiz als Sittenwidrig, weshalb ein ganzer Berufszweig neben der sozialen auch massive rechtliche Diskriminierung erfährt. Die Sittenwidrigkeit wird damit begründet, dass niemand vertraglich zur Leistung von sexuellen Handlungen verpflichtet werden darf. Als Gegenstück dazu kann auch das Honorar nicht eingefordert werden. Da die Sexualität ein so sensibler Bereich ist, finde ich den ersten Teil absolut gerechtfertigt. Prostitution ist ein Beruf, aber keiner wie jeder andere- er braucht spezielle Schutznormen.
Diese sind aber nicht mit Repressionen zu verwechseln!! In Österreich müssen Prostituierte zum Beispiel gemeldet sein. Aufgrund der immer noch existierenden Stigmatisierung und dem faktisch fehlenden Datenschutz in diesem Bereich ist dies sehr problematisch. In der Vergangenheit ist es vorgekommen, dass die Polizei beim "bürgerlichen" Arbeitsplatz von Prostituierten vorbeigekommen sind um sie blosszustellen, wenn diese nicht erniedrigende Zwangsuntersuchungen über sich ergehen lassen wollten. Auch Erpressungen durch Personen, welche an die Meldedaten gekommen sind (Beamte oder Unbeteiligte), haben sich schon vielfach ereignet. Sexarbeiterinnen werden offiziell gebrandmarkt und haben es deshalb wesentlich schwerer einen Berufswechsel durchzuführen, obwohl letzteres ganz im Sinne von Prostitutionsgegnern sein sollte.
Es gibt eine vielzahl von Berufen, welche Sonderregeln brauchen, Sexarbeit ist damit nicht alleine. Wie ich in einem früheren Post geschrieben habe, sollten Prostituierte mit der neuen Regelung nicht zu sexuellen Handlungen verpflichtet werden, sondern das Honorar zurückgeben falls sie ihren Teil aus welchen Gründen auch immer nicht erfüllen können/wollen.
In der Praxis wird diese Regelung unbedeutend sein, da alle Sexarbeiterinnen ausser den unerfahrensten und gutgläubigsten/naivsten das Honorar vorher verlangen. Sie enthält allerdings eine wichtige Stellungnahme, nämlich dass die Rechte von Sexarbeiterinnen respektiert werden sollen wie diejenigen anderer Menschen auch.
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