Ein Bekannter erzählte mir, dass er sich schwammig daran errinnert als Kind von seinem Vater missbraucht worden zu sein. Ich war sehr betroffen und sagte ihm, wie leid es mir für ihn tue. Er meinte allerdings es bräuchte mir nicht Leid zu tun, es hätte ihm eigentlich gefallen. Was ihn lange belastet hätte sei nicht der Missbrauch selbst, sondern das Schuldgefühl abnormal zu sein, weil er es als angenehm empfunden hatte. Ich hatte mir damals kaum näher Gedanken darüber gemacht, abgesehen davon wie schlimm es sein muss.
Susan Clancy ist eine Psychologin, welche Forschungen zum schwierigen Thema Kindesmissbrauch durchgeführt hat. Dabei kamen Ergebnisse hervor, welche ihr zahlreiche Hassmails, aber auch dankbare Mails von Missbrauchsopfern bescherten: In den meisten Fällen erleben Missbrauchsopfer kein Trauma, sondern erst im Erwachsenenalter psychische Probleme. Ein Trauma ist ein schwerer Schaden, der unmittelbar aus einem Ereignis resultiert. Einen solchen erlebten missbrauchte Kinder überwiegend nur, wenn Penetration, Schläge, und andere schmerzhafte Gewalt vorkam.
In den meisten Fällen (95%) besteht sexueller Missbrauch jedoch aus Oralsex und anderen nicht-schmerzhaften Berührungen. Die Opfer von dieser Art des Missbrauchs realisierten oft erst im Erwachsenenalter dass sie benutzt worden waren, und entwickelten als Folge psychische Probleme. Als Kind waren sie meistens verwirrt und gestresst, manchmal gefiel es ihnen aber. Andere Forscher hatten auch schon darauf hingewiesen, wurden jedoch ignoriert.
Link zum Artikel
Ich halte es für sehr wichtig Betroffenen mitzuteilen, dass sie nicht abnormal sind wenn sie den Missbrauch an sich nicht als so belastend empfunden haben, wie es meistens dargestellt wird. Ich habe in der ganzen Debatte diesen Aspekt mit Ausnahme dieses Zeitungsartikels noch nie thematisiert gesehen, obwohl er für die Opferhilfe von höchster Relevanz ist. (Es sollte ziemlich selbstverständlich sein, trotzdem erwähne ich hier doch noch, dass ich in keinster Weise Kindesmissbrauch bagatellisieren möchte.)
Dies setzt jedoch voraus dass man akzeptiert, dass auch Kinder sexuelle Gefühle haben können. Selbstverständlich anderst als Erwachsene, aber eben nicht nur "Neugierde", sondern auch Lust. Doktorspiele werden heute berechtigterweise als normal angesehen, jedoch wird praktisch immer nur Neugierde als Grund dafür genannt.
Es ist wichtig, dass Missbrauch thematisiert wird. Auf der anderen Seite scheint es heute nicht nur als ein Thematisieren, sondern eine regelrechte Hysterie, die einen gesunden Umgang mit der kindlichen Körperlichkeit zu beeinträchtigen droht. Man erinnere sich an den Fall aus den USA, wo ein Junge seiner Schwester beim urinieren half, und anschliessend abwischte. Es gab eine mediale Hetzjagd auf ihn wegen angeblichem Missbrauch. Alle Berührungen werden nur noch durch die Brille des Missbrauchs gesehen. Eine Broschüre für Kindererziehung empfahl, bei der Körperpflege von Säuglingen den Genitalbereich nicht demonstrativ zu umgehen, sondern auch zufällige Berührungen dort zuzulassen, damit das Kind nicht von kleinauf lernt, dass "dort unten" etwas schlechtes ist. Die Formulierung war ähnlich wie beim Link. Die Broschüre musste vom Markt genommen werden, weil sich so viele empörten, dies fördere den Missbrauch.
Thoughts?
Sonntag, 27. Juni 2010
Sonntag, 20. Juni 2010
Freitag, 18. Juni 2010
Orgies and the meaning of Live
Ein wunderbarer Film, der genau das hält was der Titel verspricht. Ein bisschen Kunstfilm, ein bisschen Sex und viel ungreifbaren Inhalt, der eine bittersüsse Melancholie und Nachdenklichkeit hinterlässt.
Dienstag, 15. Juni 2010
Donnerstag, 10. Juni 2010
WTF!!!??
Bundesgericht hebt Skandalurteil auf
Fünf Frauen hatte er vergewaltigt, bestraft wurde er von der Justiz jedoch aussergewöhnlich mild – weil seine Opfer «nur» Prostituierte waren. Das Bundesgericht hat das Urteil nun korrigiert.
Fünf Frauen hatte er vergewaltigt, bestraft wurde er von der Justiz jedoch aussergewöhnlich mild – weil seine Opfer «nur» Prostituierte waren. Das Bundesgericht hat das Urteil nun korrigiert.
Sonntag, 16. Mai 2010
Links
Interview mit einer Ethnologin, welche sechs Monate als Empfangsdame bei einer Sexarbeiterin gearbeitet hat. "Es ist ein hartes Leben. Nicht unbedingt, weil die Prostituierten zu Opfern abartiger Männerphantasien werden, sondern weil es sich um eine stigmatisierende Tätigkeit handelt, von der man niemandem erzählen kann. Man muss über ein enormes Selbstvertrauen verfügen, um dieses Doppelleben auszuhalten, das zu den belastendsten Elementen dieses Berufs zählt." Kann ich nur zustimmen..
Claire Finch ist freigesprochen worden ein Bordell betrieben zu haben (was in England verboten ist). Sie hatte gemeinsam mit anderen Frauen in einer Wohnung, die sie gemietet hatte, gearbeitet. Eines Tages brach die Polizei mit einem Fusstritt ihre Türe ein und beschlagnahmte ihr Geld. Bemerkenswert ist die Unterstützung, welche sie im Prozess von ihren Nachbarn erhielt.
Studie über die Sicherheit von Sexworkern in Neuseeland: Das Ergebnis ist ermutigend.
Claire Finch ist freigesprochen worden ein Bordell betrieben zu haben (was in England verboten ist). Sie hatte gemeinsam mit anderen Frauen in einer Wohnung, die sie gemietet hatte, gearbeitet. Eines Tages brach die Polizei mit einem Fusstritt ihre Türe ein und beschlagnahmte ihr Geld. Bemerkenswert ist die Unterstützung, welche sie im Prozess von ihren Nachbarn erhielt.
Studie über die Sicherheit von Sexworkern in Neuseeland: Das Ergebnis ist ermutigend.
Mittwoch, 12. Mai 2010
Von fehlender Solidarität unter Frauen
Hmm. Nirgends findet sich so viel Frauenhass als in gewissen "feministischen" Foren. Hass auf Frauen, welche von einem gewissen Ideal abweichen. Es wird Verantwortungslosigkeit, Dummheit, Faulheit und die Verantwortung für das Leid der ganzen Welt unterstellt. Nirgends findet sich stärker der traditionelle, patriarchaische Hass auf Huren. Unter anderem mit der traditionell patriarchaischen Begründung, man entehre andere Frauen.
Ja klaar, ich bin für Zwangsprostitution, oder diese Frauen sind mir egal. Ein vielgebrachter Vorwurf, um Sexarbeiterinnen zum Schweigen zu bringen. Man spricht von fehlender Solidarität. Was sie anscheinend nicht verstehen ist dass der Kampf der Huren um Respekt IMMER den Kampf gegen Zwang miteinschliesst. Kaum jemandem liegt das Wohl von Huren, ob aus freien Stücken oder nicht, mehr am Herzen als anderen Huren. So verschieden wir auch sind, wir sitzen in vielerlei Hinsicht im gleichen Boot.
Weshalb unterstellt man einvernehmlichen Sadomasochisten nicht, für Vergewaltigung zu sein? Obwohl, traurigerweise tut man das ja. Ein treffenderer Vergleich: Wieso verurteilt man zufriedene Frauen in Partnerschaften nicht, sie seien für häusliche Gewalt verantwortlich? Schliesslich werden fast alle weiblichen Mordopfer von ihren Ehemännern oder Partnern ermordet. Die Familie ist eine Institution, welche früher und auch heute noch für das meiste Leid von Frauen sorgt. Trotzdem macht man andere nicht dafür verantwortlich, weil es völlig verschiedene Dinge sind.
Die Solidarität, die fehlt, ist eine andere.
Ja klaar, ich bin für Zwangsprostitution, oder diese Frauen sind mir egal. Ein vielgebrachter Vorwurf, um Sexarbeiterinnen zum Schweigen zu bringen. Man spricht von fehlender Solidarität. Was sie anscheinend nicht verstehen ist dass der Kampf der Huren um Respekt IMMER den Kampf gegen Zwang miteinschliesst. Kaum jemandem liegt das Wohl von Huren, ob aus freien Stücken oder nicht, mehr am Herzen als anderen Huren. So verschieden wir auch sind, wir sitzen in vielerlei Hinsicht im gleichen Boot.
Weshalb unterstellt man einvernehmlichen Sadomasochisten nicht, für Vergewaltigung zu sein? Obwohl, traurigerweise tut man das ja. Ein treffenderer Vergleich: Wieso verurteilt man zufriedene Frauen in Partnerschaften nicht, sie seien für häusliche Gewalt verantwortlich? Schliesslich werden fast alle weiblichen Mordopfer von ihren Ehemännern oder Partnern ermordet. Die Familie ist eine Institution, welche früher und auch heute noch für das meiste Leid von Frauen sorgt. Trotzdem macht man andere nicht dafür verantwortlich, weil es völlig verschiedene Dinge sind.
Die Solidarität, die fehlt, ist eine andere.
Donnerstag, 29. April 2010
Richtig so.
Eine Tasmanische "Family Values Group" musste sich auf gerichtlichen Entscheid hin für diskriminierende Propaganda gegen Sexarbeiterinnen öffentlich entschuldigen. Scarlet Alliance, eine Organisation für die Rechte von Sexarbeitern, hatte gegen diese Diskriminierung geklagt. LINK
Mittwoch, 28. April 2010
Sonntag, 18. April 2010
Es ist für die Familie
Habe gerade eine Doku über Islam in der Schweiz geschaut, wo ein Konvertit erklärte, weshalb es okay ist, seine Frau zu schlagen damit sie anschliessend bei einer Vergewaltigung weniger Widerstand gibt. Es ist für die Familie. Denn dass der Mann fremdgeht, weil er Zuhause zu wenig Sex bekommt, ist schlecht für die Familie. Schlimmer als die eigene Ehefrau zu misshandeln. Mir ist schlecht.
Nachtrag: Behörden erwägen, das besagte Arschloch wegen diesen Äusserungn strafrechtlich zu verfolgen. Ausserdem war er kein Konvertit. Aber verdammt, ich finde den Artikel, der in den 20min war nicht mehr.
Nachtrag: Behörden erwägen, das besagte Arschloch wegen diesen Äusserungn strafrechtlich zu verfolgen. Ausserdem war er kein Konvertit. Aber verdammt, ich finde den Artikel, der in den 20min war nicht mehr.
Freitag, 26. März 2010
Sexarbeit als Forschungsgegenstand
Zusammenfassung der Dissertation der Soziologin Anna Kontula
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SUMMARY IN ENGLISH by Anna Kontula
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The Red Exodus
A study on sex work in Finland
In this study I examine reasons for selling sex as experienced by sex workers. Forced prostitution is rare in Finland as a result of free education, low unemployment and social security benefits that guarantee a minimum standard of living for everyone. I’m interested in why a person in Finland decides to sell sex and thus expose himself/herself to the risks of violence and marginalization involved, when there are other options available.
The study is based on three years of ethnographic field research in the world of the Finnish sex business. My main material consists of the messages on the sex workers’ closed internet discussion channel (11,000 posts from 2003 to 2006) and interviews with 25 sex workers (20 women, two men and three transgender). All my interviewees are prostitutes, but I call them sex workers, since the term is often used to emphasize the agency of workers.
Prostitution is a highly marginalized, stigmatized and invisible phenomenon in Finland. Street soliciting is illegal, foreigners are not allowed to work at all and even offering sex services in private spaces is strictly regulated. Still, the position of sex workers is relatively good. Most of prostitutes work as independent call girls and stay in business for fewer than five years. As the new communication technologies are becoming more and more common, the internet is gradually replacing streets, restaurants and newspapers as a way of finding customers.
For these sex workers, selling sex is an alternative to low-paid and highly controlled jobs in the service sector. They choose sex work because it offers them more autonomy in their work but also because it gives them more free time: one half-an-hour meeting with a customer per day guarantees higher standard of living than full time service jobs available for them.
Even if the sex work research has concentrated on talking about work, it should also be noted that some prostitutes sell sex because of their sexual orientation and interests. It is possible to find many examples of how the experience of control has emancipated sex workers towards more independent sexuality. Sometimes sex work in itself can be pleasurable, but even if we remember that perhaps the most common rating for clients or acts would be ‘indifferent’, there are no clear-cut distinctions between private and commercial sex in relation to prostitutes’ sexual pleasure.
The study shows that it is hard to make any universal statements about sex workers’ experience. In the life of an individual prostitute, depending on different times and contexts, sex work can be either a supporting or a destructive factor. Instead of arguing that commercial sex is inherently an abusive practice, we should consider under what kinds of conditions the sex
work takes place.
Anna Kontula ist eine Soziologin, Sexworker-Aktivistin und Stadträtin in Tampere. Für ihren Kampf für die Rechte der Sexarbeiterinnen hat sie mehrere Todesdrohungen erhalten, weshalb sie ihre Wohnadresse versteckt hält.
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SUMMARY IN ENGLISH by Anna Kontula
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The Red Exodus
A study on sex work in Finland
In this study I examine reasons for selling sex as experienced by sex workers. Forced prostitution is rare in Finland as a result of free education, low unemployment and social security benefits that guarantee a minimum standard of living for everyone. I’m interested in why a person in Finland decides to sell sex and thus expose himself/herself to the risks of violence and marginalization involved, when there are other options available.
The study is based on three years of ethnographic field research in the world of the Finnish sex business. My main material consists of the messages on the sex workers’ closed internet discussion channel (11,000 posts from 2003 to 2006) and interviews with 25 sex workers (20 women, two men and three transgender). All my interviewees are prostitutes, but I call them sex workers, since the term is often used to emphasize the agency of workers.
Prostitution is a highly marginalized, stigmatized and invisible phenomenon in Finland. Street soliciting is illegal, foreigners are not allowed to work at all and even offering sex services in private spaces is strictly regulated. Still, the position of sex workers is relatively good. Most of prostitutes work as independent call girls and stay in business for fewer than five years. As the new communication technologies are becoming more and more common, the internet is gradually replacing streets, restaurants and newspapers as a way of finding customers.
For these sex workers, selling sex is an alternative to low-paid and highly controlled jobs in the service sector. They choose sex work because it offers them more autonomy in their work but also because it gives them more free time: one half-an-hour meeting with a customer per day guarantees higher standard of living than full time service jobs available for them.
Even if the sex work research has concentrated on talking about work, it should also be noted that some prostitutes sell sex because of their sexual orientation and interests. It is possible to find many examples of how the experience of control has emancipated sex workers towards more independent sexuality. Sometimes sex work in itself can be pleasurable, but even if we remember that perhaps the most common rating for clients or acts would be ‘indifferent’, there are no clear-cut distinctions between private and commercial sex in relation to prostitutes’ sexual pleasure.
The study shows that it is hard to make any universal statements about sex workers’ experience. In the life of an individual prostitute, depending on different times and contexts, sex work can be either a supporting or a destructive factor. Instead of arguing that commercial sex is inherently an abusive practice, we should consider under what kinds of conditions the sex
work takes place.
Anna Kontula ist eine Soziologin, Sexworker-Aktivistin und Stadträtin in Tampere. Für ihren Kampf für die Rechte der Sexarbeiterinnen hat sie mehrere Todesdrohungen erhalten, weshalb sie ihre Wohnadresse versteckt hält.
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